Blutplasma für viele SK-Medikamente

Mit dem Spenden von Blutplasma rettet man Leben. Trotzdem ist vielen ÖsterreicherInnen die Möglichkeit Plasma zu spenden unbekannt. Mit Eröffnung des modernsten Plasmazentrums in Wien soll nicht nur mehr Awareness auf das Thema gelenkt, sondern auch mehr Menschen zum Spenden animiert werden.

Das Thema Plasmaspenden ist vielen PatientInnen und Angehörigen von Personen mit seltenen Erkrankungen ein großes Anliegen. Schließlich werden viele Medikamente aus dem menschlichen Blutplasma hergestellt. Darunter z.B. Präparate für Hämophilie-, HAE-, Alpha-1-Antitrypsinmangel- oder PID-PatientInnen. Ohne freiwillige SpenderInnen wäre das Herstellen der lebenswichtigen Medikamente nicht möglich, denn nur menschliches Plasma ist dazu geeignet.

Patienten auf Blutplasma angewiesen

„Ohne Plasmapräparate wäre das Leben, das ich heute führe, nicht vorstellbar“, sagt Apollonia Schipits, Patientin und Vorstandsmitglied der Österreichischen Selbsthilfegruppe für HAE. Nach ihrer HAE-Diagnose war es ein langer Weg zur Therapie. Heute erhält sie zweimal pro Woche prophylaktische Behandlungen mit Medikamenten aus Blutplasma. „Seit ich diese Behandlung erhalte, ist meine Lebensqualität von null auf hundert gestiegen“, so Schipits. „Wir PatientInnen sind auf humanes Plasma angewiesen. Viele in meinem Bekanntenkreis gehen spenden, doch manchen Menschen ist der Aufwand zu hoch. Dennoch gibt es viele Menschen, die bereits sogar tausendmal Plasmaspenden waren. Ihnen allen gilt mein Dank!“

Apollonia Schipits, Vorstandsmitglied der Selbsthilfegruppe HAE, erhält Medikamente aus Blutplasma
Apollonia Schipits, Vorstandsmitglied der Selbsthilfegruppe HAE, erhält Medikamente aus Blutplasma

Bedarf steigt

Doch nicht nur PatientInnen mit seltenen Krankheiten sind auf Medikamente aus Blutplasma angewiesen. Es gibt zahlreiche Personen, die an einer von über 350 bekannten Arten von Immundefizienz leiden. „Mindestens zwei Drittel dieser Personen brauchen humane Immunglobuline, um ein normales Leben führen zu können,“ sagt Univ. Prof. Dr. Hermann Wolf, Ärztlicher Leiter der Immunologischen Tagesklinik in Wien. „Die Wirkstoffe können nicht künstlich hergestellt werden. Deshalb ist die Plasmaspende so wichtig.“

Und der Bedarf an Plasma steigt. Aufgrund der Effektivität und der steigenden Nachfrage braucht die Medizin immer mehr Plasmaproteinpräparate. Allein bei Immunglobulinen ist der weltweite Bedarf von 47,4 Tonnen im Jahr 2000 auf 197 Tonnen im Jahr 2018 gestiegen.

Mehr Spender benötigt

Allerdings kann auch jeder gesunde Mensch einmal in eine Situation gelangen, in der er auf ein Medikament aus Blutplasma angewiesen ist. Z.B. im Rahmen einer Operation, nach einem Unfall oder bei Verbrennungen. Daher ist es wichtig, dass ausreichend Plasma vorrätig ist.

Nur sehr wenige Personen entscheiden sich dafür, ihr Plasma zu spenden. Dabei ist der Prozess, der knapp 90 Minuten dauert, unkompliziert, sicher und sogar bis zu 50 Mal im Jahr möglich. Um die steigende Nachfrage nach lebenswichtigen Medikamenten sicherzustellen, braucht es mehr Menschen, die sich bewusst darüber sind, welche wichtige Rolle sie für kranke Menschen spielen können und die sich dazu entschließen, Spenderin oder Spender zu werden.

Autor: Lukas Winter
Bilder: Adobe Stock | ZVG/privat

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